Buchenwals Stettin

Polen – Urlaub September 2018 Teil 2

Stettin Montag 24.09.

Nachdem wir uns aus dem Auto in die frostige Morgensonne begeben hatten, die erste Erkenntnis. Man sollte vor dem Schlafengehen noch einmal mit Taschenlampe ums Auto herum gehen. Ich hatte meine Hose zum Trocknen außen ans Auto gehangen und Anja hatte beim Einsteigen offenbar einen Schuh unabsichtlich vom Fahrzeug ins Freie befördert. Leider hatte es in der Nacht heftig geregnet, so dass beide Teile völlig durchnässt waren. Ich hatte noch eine gute Wechselhose mit, aber Anja konnte lediglich auf die richtigen Wanderstiefel oder Badelatschen ausweichen.

Wir trockneten die Sachen dann während der Fahrt mittels der Autoheizung, so dass wir am nächsten Tag wieder trockene Klamotten hatten.

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, grummelte es schon in den Wolken und so schafften wir es gerade noch halbwegs trocken unsere Wasserkanister trockenen Fußes zu befüllen, als auch schon ein heftiger Hagelschauer begann. Aus unserem Frühstück wurde erst einmal nichts, da auch laut Vorhersage der Regen einige Zeit andauern sollte und wir ja nur „Outdoor“ kochen können. Das Zelt hatten wir am Vorabend wieder eingepackt, da wir mit Windböen rechneten und unserer eigenen Verankerung nicht so ganz trauten. So packten wir den Innenraum rasch pistenfest zusammen und fuhren ohne Frühstück los, da wir einfach unterwegs spontan anhalten wollten, um dies nachzuholen.

Völlig frei und ohne Zeitdruck entschieden wir uns über Wolgast und Anklam zunächst nach Mönkebude zu fahren. In Wolgast wurden wir auf ein amerikanisches Schnellrestaurant am Wegesrand aufmerksam und genossen dort unser etwas verspätetes Frühstück. Dank der PKW Abmessungen war das Auffinden eines Parkplatzes kein Problem.

Frisch gestärkt programmierten wir eine entsprechende Handy App darauf möglichst kleine und auch unbefestigte Wege bis nach Mönkebude zu suchen. Zuverlässig wurden wir von den breiten Hauptwegen auch mal auf Feldwege und Schotterpisten gelotst und hatten ein tolles Offroad Erlebnis.

In Mönkebude machten wir dann eine kurze 8 km Wanderung.

Wir fanden einen kleinen Wanderparkplatz vor, von dem verschiedene Wege ausgeschildert waren. Wir folgten der Empfehlung des Reiseführers und wurden leider nur über sehr breite Forstwege geführt. Der Wald war ebenfalls wenig abwechslungsreich, was noch durch die schachbrettartig verlaufenden diversen weiteren Wege verstärkt wurde.

Trotz trockenem Start sollte es leider nicht so bleiben und so fiel der Ankommens-Tee nach dieser eher eintönigen Runde aufgrund einsetzenden Regens aus.

Da wir heute noch die Grenze nach Polen überfahren wollten, begaben wir uns wieder entlang schön schmaler Nebenstrecken auf nach Siadlo Dolne direkt an der Oder. Die ersten Erfahrungen auf polnischen Straßen machten deutlich, dass man hier aufgrund des Straßenzustandes froh sein kann, wenn man einen Geländewagen hat. Die Einheimischen sahen das freilich nicht so und fuhren auch mit tiefergelegten Autos über die Schlaglochpisten über die erlaubte Höchstgeschwindigkeit hinaus. Wir bewegten uns spießig und materialschonend über die oftmals nur mit Kopfsteinpflaster befestigten „Pisten“ vorwärts und fuhren oftmals bei Seite, um die Einheimischen in ihrem Geschwindigkeitsrausch nicht aufzuhalten.

Oscar an der Oder
Cooler Ausblick, oder?

In dem Dorf angekommen sahen wir bereits immer wieder wild herum liegenden Müll. Nachdem wir dann die holprige Zufahrt zum Übernachtungsplatz gemeistert hatten, kamen wir direkt zum Fluß. Auch hier diverse Reste von Plastikmüll, Lagerfeuern und Grillorgien. Aber nichts, was geruchsbelästigend war. Also entschieden wir uns, auch aufgrund der fortgeschrittenen Stunde, hier zu bleiben und zu nächtigen.

Rasch noch ein Abendessen gekocht und den Sonnenuntergang über der Oder bewundert und dann ab in den warmen Schlafsack und ein wenig „Fernsehen“ übers Internet.

Polen Roadbook-Tour Nr. 1 Dienstag 25.09.

Nach einer recht kalten Nacht wurden wir morgens von PKW Geräuschen geweckt. Es waren Angler, die hier in Polen sehr gerne ihren Speiseplan durch selbst gefangene Mahlzeiten aufpeppten. Wir haben im Verlauf der Reise noch diverse weitere gesehen, die noch traditionell mit Angelrute am Gewässer standen und fischten. Das scheint hier ein verbreiteter Volkssport zu sein.

Nachdem wir in Ruhe und ohne Einmischung durch die Angler gefrühstückt hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserer ersten Offroad Tour. Wir hatten uns im Vorwege ein sogenanntes Roadbook gekauft, in dem drei unterschiedlich lange Strecken mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad beschrieben sind. In dem Roadbook wird jeweils ab einem Startpunkt bis zu jedem Abzweig hingewiesen und die Entfernung und aufsummierte Entfernung angegeben. Also ein Navi auf Papier. Nach dem Motto: „nach 650 Metern rechts in den Feldweg einbiegen“.

Den Startpunkt fuhren wir mit den Koordinaten über normale Straßen an. Ab dort musste dann der Beifahrer jeweils vorgeben wohin und wie weit der Fahrer fahren sollte. Dabei musste natürlich auch immer die zurückgelegte Distanz im Auge behalten werden, damit man keinen Abzweig verpasst.

Diese erste Route war „nur“ ca. 40 km lang und verlief süd östlich von Stettin als Rundkurs. Schon bald nach dem Startpunkt fanden wir uns in einem Waldstück wieder. Langsam fuhren wir den schmalen Weg entlang, als wir unvermittelt vor polnischen Soldaten standen. Eine Art „Streckenposten“ mit Fähnchen ausgestattet stand auf einer Kreuzung. Auf unsere Zeichensprachenverständigung hin wurde klar, dass wir den geplanten Abbiegevorgang hier durchführen durften. Trotzdem blieb ein komisches Gefühl zurück, wenn man gerade in einem fremden Land bewaffnete Militärposten passiert.

Nach mehreren hundert Metern lag ein etwas dickerer Ast quer auf dem Weg und ich wollte diesen gerade beiseite räumen, als ich hinter uns Militär LKW bemerkte. Da diese recht rasch herannahten brach ich die Aufräumaktion ab, um Oscar aus dem Weg zu fahren. Also hurtig eingestiegen und über den Ast gefahren, bis wir an einer breiteren Stelle die Armeefahrzeuge passieren lassen konnten.

Wir sinnierten noch darüber, ob wir nun wohl mitten in eine Übung platzen würden und ob scharf geschossen würde, als wir an einem offenen Geländeabschnitt, der in unserem Roadbook als freier Offroad-Park betitelt wurde, wieder auf die Soldaten trafen. Alle lächelten uns freundlich an und waren noch damit beschäftigt sich zu sammeln, so dass wir einmal mitten durch die abgestellten Fahrzeuge fahren mussten, um unseren Weg fortzusetzen. Wir wollten ja auch nur aus dem Weg sein und nicht stören. Niemand hielt uns auf, niemand lief uns nach. Es war wohl alles okay so. Trotzdem bemühten wir uns die nächsten Teilabschnitte etwas zügiger zu fahren und lauschten immer wieder auf näher kommende Motorengeräusche. Nicht, dass man hinter der nächsten Kuppe als „Feindfahrzeug“ beschossen wird.

Oscar im Wald
Offroad-Spaß!

Nach diesem aufregenden Auftakt erlebten wir eine sehr schöne Strecke durch abwechslungsreiche Geländeabschnitte. Neben unbefestigten Waldwegen, Straßenabschnitten und gepflasterten Forstwegen galt es auch Feldwege neben offenen Landschaften zu befahren. Es waren tolle Erlebnisse und Ausblicke, die sich uns boten. Wir waren richtig begeistert.

Zwischendurch machten wir auch eine Rast, um mit dem Hund ein wenig zu spielen. Es war ja schließlich auch ihre erste richtige Offroad Erfahrung. Aber Jule machte es richtig gut und zeigte keinerlei Anzeichen von Stress oder Unwohlsein.

Nach Beendigung der Roadbook Tour wollten wir noch einmal die Nähe zu Stettin ausnutzen und die Stadt ansehen, sowie ein wenig polnische Zloty erwerben, um nicht gänzlich bargeldlos herumzureisen. Das Navi zeigte eine Parkmöglichkeit in der Innenstadt an, die wir ins Visier nahmen. Die Straßen nach Stettin hinein waren mehrspurig und autobahnartig ausgebaut, so dass wir uns rasch ans Hambuger Straßenbild erinnert fühlten. Die Blechlawinen, der Lärm und die undurchsichtige Fahrweise mancher Verkehrsteilnehmer standen im krassen Kontrast zu der Ruhe, Stille und Gemächlichkeit auf der Roadbook Tour.

Endlich im inneren Stadtverkehr angekommen mussten wir feststellen, dass Parkplatzsuche hier ebenso schrecklich ist, wie in Hamburg. Alles zugeparkt und überall Fußgänger mittendrin. Man musste höllisch aufpassen. Für uns kam erschwerend hinzu, dass wir ja noch kein Bargeld hatten und somit Plätze mit Parkscheinautomat ausfielen. Also folgten wir der Parkhaus Ausschilderung, bis wir zu einer hohen Einfahrt kamen. Mangels Lesefähigkeit der fremden Sprache nutzten wir die Piktogramme und waren ein wenig überrascht, dass 4 m Höhe ausgewiesen waren – aber was solls. Ist hier ja vielleicht üblich. Nachdem wir das Einfahrtstor passiert hatten dämmerte es uns langsam. Keine Schranke und Verladerampen….es war wohl die Anlieferzone. Also rasch gewendet und einmal ums Gebäude herum zum richtigen Eingang. Dort gab es dann Schranken und auch nur eine Durchfahrtshöhe von 2 Metern. Hier waren wir richtig und wieder einmal froh über die geringen Abmessungen von Oscar. Mit dem Carthago wären wir nie in die Stadt gefahren und hätten auch sicherlich keinen Parkplatz gefunden.

Wir befanden uns auf dem Parkdeck eines Einkaufszentrums mit dreigeschossiger Ladenpassage. Also viel zu sehen und zu shoppen. Aber erst einmal wollten wir dem Hund eine kleine Gassi Runde im danebengelegenen kleinen Park gönnen. Kaum hatten wir das Einkaufszentrum verlassen und die Straße zum Park überquert, als es auch schon heftig zu regnen begann. Blödes Timing. Der Hund tat schnell, was er musste und zog dann direkt zurück Richtung trockenem Aufenthaltsort. Also gingen wir erst einmal ein wenig bummeln, besorgten Bargeld, damit wir das Parkhaus auch wieder verlassen konnten und warteten auf trockeneres Wetter.

Nachdem wir noch einige Lebensmittel besorgt hatten begaben wir uns dann noch einmal bei trockenem Wetter nach draußen und gingen ein paar Blocks. Stettin hat uns dabei jedoch nicht so sehr beeindruckt. Aber wir haben ja auch nur einen kleinen Teil gesehen und waren nicht für einen kulturell anspruchsvollen Stadtrundgang vorbereitet. Rasch noch etwas von einem der vielen kleinen „Containerläden“ und noch einen HotDog gekauft und zurück zum Auto. In Polen gibt es generell sehr viele kleine „Tante-Emma-Läden“, die zudem noch an jedem Tag geöffnet haben. Also kann man auch gut noch Sonntags alles Lebensnotwendige kaufen. Das haben wir sehr positiv bereits aus Schweden in Erinnerung behalten.

Jule liebt ihr Körbchen
Sie ist soooo süß!        und müde…

Für die Nacht suchten wir einen relativ nahe an Stettin gelegenen Campingplatz (Wohnwagenpark Camping Marina PTTK) auf, da wir mal wieder eine richtige Dusche nutzen wollten. Der Platz war überwiegend von Deutschen besiedelt, wie wir unschwer an den Kennzeichen der Wohnwagen und Wohnmobile erkennen konnten. Wir kamen bei strahlendem Sonnenschein an und gönnten uns ein wenig Pause nach diesen vielen Erlebnissen.

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